Lieber Christoph,
Es war September 1994 und ich bin gerade in die 3. Klasse gekommen, als ich dich das erste Mal als neuen Lehrer wahrgenommen habe. Unverkennbar mit Lockenkopf und voller Energie. Kurz darauf hast du als neuer Musiklehrer auch unsere Klasse übernommen. Was für ein Unterschied da plötzlich war. Keine Notenlehrer oder Musikgeschichte mehr, dafür ganz viel Lebendigkeit und Begeisterung für Musik. Als Lehrer bist du abseits des Gewöhnlichen gegangen, wolltest niemanden durch Druck die Freude an der Musik abgewöhnen, warst authentisch in dem, was du getan hast. Wichtig war dir das Miteinander und das eigenständige und kritische Denken. Wenn es einen Konflikt in der Klasse gab hast du hingeschaut, warst du in deinem Element, warst präsent und hast eine gemeinsame Auseinandersetzung und Diskussion eingefordert.
Diese aktive und eigenverantwortliche Lebenshaltung durfte ich auch kennen lernen, als ich bei dir Gesangsunterricht genommen habe und erstmals bei dir zum Trommelbau war. In der Folge habe ich mich auch für Musik als Maturafach entschieden - die wohl bestmögliche Entscheidung für mich.
Du hast immer einen Schritt weitergedacht, dich an die Welt angepasst, die Welt aber auch mit deinen kleinen Erfindungen an dich angepasst. „Wer nicht isst darf auch nicht arbeiten!“ habe ich von dir gelernt. Dieser Satz bringt für mich bis heute deine Lebensfreude und deinen Blick auf das Miteinander zum Ausdruck. So war auch die Matura bei dir. Auf Augenhöhe, freudvoll und bereichernd für alle Anwesenden.
Auch wenn sich unsere Wege wieder auseinander entwickelt haben, warst du mir immer präsent und wirst mich auch weiterhin begleiten. Als mein Musiklehrer, der diese Rolle für mich komplett neu definiert hat. Und als Freund.
Heute wurdest du verabschiedet und ich habe den Weg nach Fehring leider nicht geschafft.
Einmal sind wir bei Sonnenuntergang den Schöckl hinunterspaziert. Du hast geschwärmt von der Wärme und der Energie der Abendsonne. Jetzt ist die Sonne für dich untergegangen, aber die Wärme die du versprüht hast bleibt.
Sevi